MfG – Mit freundlichen Grüßen

Ich hoffe jeder von euch hat direkt den legendären Song der Fantastischen Vier im Kopf und summt leise vor sich hin. Wenn nicht, ab auf Youtube, Spotify oder sonst was und anhören. Dieses Lied ist quasi elementarer Bestandteil des folgenden Textes und gibt ihm den Beat!

Als Jurist bin ich gewohnt mit Abkürzungen zu leben und umzugehen. Bereits im Studium entwickeln wir diese unabdingbare Fähigkeit. Anders wäre ein Text wie dieser auch kaum zu verstehen: „[…] für den GrdSchBetrag bzw für Geldbetrag iH der GrdSch (idR mit Nebenleistgen) dch abstraktes SchuldVerspr iSv § 780 od –Annerkenntn iSv § 781 des Eigtümers ggü den Gläub […]. Keine Sorge, ich bin weder mit dem Kopf auf der Tastatur aufgeschlagen, noch stammt dieses Zitat aus einem Handbuch für Kryptographie, es handelt sich vielmehr um eine zufällige Passage aus dem Standardkommentar zum Bürgerlichen Gesetzbuch[1].

Dank diesem Rüstzeug finde ich mich gut in der Weinwelt zurecht, schließlich wimmelt es hier nur so von Abkürzungen und Verknappungen.

[Fantastische Vier – Play]: VDP, BSA und DOC, GSM, DRC olé olé, DLG, TBA hahaha… MfG – mit freundlichen Grüßen. Die Welt liegt uns zu Füßen, denn wir steh’n drauf, wir geh’n drauf für ein Leben voller Schall und Rauch.[2] [Pause]

Für etwaige Rhythmusfehler möchte ich mich entschuldigen, für gewöhnlich ist für mich schon das Halten eines Vier-Viertel-Takts eine herausragende Leistung.

In meinen kleinen Liedchen fehlen natürlich noch einige Abkürzungen, insbesondere die mit zwei Buchstaben – ließen sich aber einfach nicht in den Text einbauen. Ein echter Weinkenner spricht nicht einfach vom Großen Gewächs, er spricht natürlich vom „GG“. Gleiches gilt für die Namen einiger Winzer oder Rebsorten. Keiner gibt sich die Blöße von Johann Josef Prüm oder Franz Xaver Pichler zu sprechen, fast schon freundschaftlich sind es J.J. (gespr. Jay Jay) Prüm und FX Pichler. Dadurch bringt der Connaisseur seine innige Verbundenheit mit dem Winzer zum Ausdruck und zeigt nonchalant, dass er fast schon per Du mit ihm ist. Das Gleiche gilt natürlich auch für andere angesagte und noble Weingüter. „Wahre“ Feinschmecker trinken keinen Château Mounton-Rothschild, sondern schlicht einen Mouton. In Kitzbühel käme ja auch keiner auf die Idee einen Dom Pérignon zu köpfen, es heißt einfach kurz Dompi. Hier wird Luxus zu etwas Selbstverständlichem und dem muss unmissverständlich Ausdruck verliehen werden. Dabei ist es vollkommen egal, ob man je einen dieser sagenhaften Weine getrunken hat oder nicht.

Weiter geht das Spiel bei Weinarten oder Rebsorten. Wir trinken einen knackig frischen Kabi und kein Kabinett. Klingt doch auch gleich viel knackiger und frischer. Nicht zu verwechseln mit einem Cab, damit ist natürlich ein Cabernet Sauvignon gemeint. Ebenso findet ein betörender Pinot den Weg in unser Glas und kein langatmiger Pinot Noir oder gar ein schnöder Spätburgunder. Dass es auch einen Pinot Blanc oder Pinot Gris sein könnte, spielt keine Rolle – der Kenner meint natürlich den Pinot Noir. Aus unerfindlichen Gründen bekomm ich aber bei der Abkürzung SpäBu umgehend Zuckungen. Dann nehme ich mir doch lieber den schnöden Spätburgunder.

International wird außerdem gerne mal der Grundsatz >ABC< kolportiert. Nicht zu verwechseln mit der pseudo-politischen Parole >ACAB<[3]. Die amerikanischen Weintrinker waren schlicht ihrer buttrigen Chardonnays überdrüssig und riefen daher: „Anything but Chardonnay“. Auf gut deutsch: „Ich trinke alles außer Chardonnay!

Die Aufzählung ließe sich noch beliebig fortsetzen. Abkürzungen sind etwas Wunderbares, sind sie doch geeignet einen komplizierten Sachverhalt zu verkürzen und gleichzeitig Kennerschaft auszuweisen. Ein bisschen hat es auch was von einer Geheimsprache, die wir als Kinder alle geliebt haben. Dabei fällt mir wieder einmal auf, dass Geheimsprachen in meinem Erwachsenenleben eine deutlich geringere Rolle spielen, als ursprünglich erwartet. Und genau wie bei der kindlichen Geheimsprache, könnt ihr einfach mal was Neues erfinden. Probiert es mal aus und seid kreativ, wahrscheinlich fällt es noch nicht einmal jemandem auf.

So sinnvoll Abkürzungen auch sein mögen, entsteht doch so manche Stilblüte: „Ich steh ja nicht so auf GSM aus CdP, ich bevorzuge da einen knackigen Pinot. Muss jetzt nicht DRC sein, aber ein GG aus dem VDP ist auch was Feines“ Der Urheber des Satzes will aber keineswegs über abseitige sexuelle Vorlieben sprechen, sondern weist nur darauf hin, dass er die in Châteauneuf-du-Pape (CdP) übliche Grenache, Syrah, Mourvedre-Cuvée (GSM) nicht ganz so toll findet und eher einen Spätburgunder (Pinot) vorzieht. Eben jener muss allerdings nicht unbedingt von der beinahe mythischen Domaine de la Romanée-Conti (DRC) stammen. Ihm genügt auch ein Großes Gewächs (GG) eines Winzers des Verbands Deutscher Prädikatsweingüter (VDP). Eigentlich ganz einfach, oder? So sehr ich mich dagegen wehre, der Satz könnte wohl so ähnlich auch von mir stammen…ups…jeder Zuhörer sei um Verzeihung gebeten. Mir ist allerdings noch nicht ganz klar, was ich mit der ganzen gesparten Zeit machen soll.

Und obwohl ich selbst nicht frei von Tadel bin, belustigt mich dieser Nerdtalk doch immer wieder. Letztlich kann ich euch nicht einmal sagen, wann genau ich in dieses Sprachmuster abgeglitten bin; war vielleicht irgendwann zwischen der zweiten und dritten Flasche Kabi. Womöglich befriedige ich damit aber auch nur meine kindliche Sehnsucht nach einer alltagsfähigen Geheimsprache. Ich werde dem Ganzen demnächst bei einer Flasche TBA (Trockenbeerenauslese) nochmal auf den Grund gehen.

Jetzt aber genug gesungen. Hier muss ja auch noch Zeit zum Trinken sein! Natürlich ein Pinot:

Wein-Werkstatt Daniel Bach (Baden) – Spätburgunder – 2017

Ihr habt noch nie den Begriff „Wein-Werkstatt“ gehört? Ging mir ähnlich, klingt auch eher nach Motorenöl und Blaumann, als nach delikatem Rebensaft. Daniel Bach ist Mikrowinzer am Kaiserstuhl. Hauptberuflich kümmert er sich um den Keller beim Weingut Trautwein und war früher bei Bernhard Huber (Malterdingen) für die Weinproduktion verantwortlich. Nebenbei bewirtschaftet er knapp 1 ha Rebfläche. Was er aus diesem Hektar rausholt ist aber wirklich beachtenswert. Kaum im Glas, umhüllt uns dieser Wein mit einer betörenden Duftwolke. In der Nase wirkt alles ziemlich dunkel und satt. In der Hauptrolle betreten würzige Aromen die Bühne. Als gelungene Nebendarsteller springen ihnen schwarze Kirschen und etwas Tabak zur Seite. Am Gaumen wirkt das Spektakel unerwartet frisch und saftig. Jetzt übernimmt die Kirsche die Führung und bringt noch etwas Minze zur Abkühlung mit. Struktur bekommt der Wein durch seine animierende Säure und griffige Tannine. Er bleibt dann auch eine gefühlte Ewigkeit auf der Zunge stehen und lässt uns träumen. Ein Wein so elegant wie ein maßgeschneiderter Anzug! Leider gibt es pro Jahr nur etwa 1.800 bis 2.000 Flaschen – ich muss jetzt erstmal nachbestellen.  


Ich habe mir auch die übrigen Abkürzungen natürlich nicht ausgedacht. Sie stehen ganz „einfach“ für: BSA (Biologischer Säureabbau), DOC (Denominazione di origine controllata) und DLG (Deutsche Landwirtschafts-Gesellschaft).

PS: Und obwohl ich wieder mehr zum Scherzen aufgelegt bin, es werden auch weiterhin Spenden für das Ahrtal gesammelt. Unterstützt die aufgesetzten Hilfsprogramme!


[1] Palandt/Bassenge, BGB, 76. Aufl. (2016), § 1192 Rn. 2.

[2] Keine Sorge, eine Auflösung dieses Kauderwelsch folgt im Text bzw. an dessen Ende.

[3] Ich lass das mal jeden selber googlen. Ich denke den meisten Lesern dürfte der Ausspruch bekannt sein und eine Übersetzung daher hinfällig.

2 Kommentare zu „MfG – Mit freundlichen Grüßen

  1. Hach ja, aus den Weinabkürzungen kann man schon ein Hobby für sich machen. Bei FX Pichler muss ich dir aber kurz widersprechen. Dass sein Vorname abgekürzt wird, liegt nicht am Weinliebhaber, der seinem Idol abgekürzt näher sein möchte. Es ist schlichtweg der Spitzname des guten Mannes, den er seit Kindheitsbeinen an hatte – und den er dann eben auch fürs Weingut mit hergenommen hat. Ja, auf den Etiketten steht nur groß Pichler drauf. Aber schon die Website-Adresse lautet dann fx-pichler.at 😉 Gar nicht mal so unklug, das FX zu stilisieren. In der Wachau spart man sich ja sogar noch den Nachnamen. Da geht’s dann nur noch um FX. Was wohl nicht zuletzt daran liegt, dass es da ja auch noch andere Pichler-Weingüter gibt. Rudi Pichler zum Beispiel. Auch gut. Und wahrscheinlich ist auch der Name Rudi eingekürzt … 😉

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